Die natürliche Welt um virtuelle Daten erweitern: Augmented Reality hält Einzug in unseren Alltag. Handykamera einschalten, und schon wird das Filmbild auf dem Display um zusätzliche Informationen ergänzt. Klar, dass auch das Marketing die erweiterte Wirklichkeit für sich entdeckt hat – um Produkte greifbarer darzustellen oder auch, um den Vertrieb in seiner Arbeit zu unterstützen. Vertriebspartner-Report zeigt, welche Branchen und Unternehmen hier besonders aktiv sind - und mit welchen Applikationen.

Einfach aus dem iStore die passende App herunterladen, Kamera aktivieren und in Blickrichtung halten. Über das gesehene Bild legen sich nun weitere Infos, zum Beispiel Pfeile in Richtung der nächsten U-Bahnstationen.
Augmented Reality braucht eine Kamera, einen GPS-Empfänger, einen Rechner und einen Bildschirm. All das bieten Smartphones heute – die perfekte Spielwiese für Marketing und Vertrieb, um erklärende Texte, Videos und Animationen zu Produkten und Dienstleistungen in die reale Umgebung einzubetten.
Eigene App?
Doch Augmented Reality ist ein weiter Bereich, und nicht alle brauchen eine eigene App. Im Gegenteil, manchmal kann sogar die Erwähnung über eine bestehende Anwendung nützlicher sein – oder die Programmierung einer eigenen Folie für Augmented Reality-Browser.
Unternehmen haben hier haupsächlich drei Möglichkeiten:
Eigene App
das Unternehmen entwickelt eine eigene Anwendung. Dies macht zum Beispiel bei Produkt-Neueinführungen Sinn, so wie MINI dies schon 2008 mit einer 3D-Darstellung seines neuen Fahrzeugs gezeigt hat. Auch virtuelle Welten wie Spiele auf Lebensmittelverpackungen (Doritos Chips, Wrigley’s Kaugummi) brauchen eine eigens programmierte App – und hoffen darauf, hier das junge Publikum mit Spielen oder virtuellen Figuren an sich zu binden. Das klappt gut, wenn es sich etwa um beliebte Zeichentrickfiguren aus einem gerade gelaunchten Kinofilm handelt (etwa Shrek, Madagascar etc.). Wenn jedoch versucht wird, mit völlig neuen Fantasiewesen das die Kids zu fesseln, ist die Chance selten gering, hier ohne weitere unterstützende Maßnahmen einen Hype bei der Zielgruppe der 4-12 Jährigen aufzubauen.
Eintrag in Datenbanken
Unternehmen nutzen bereits bestehende Apps wie Produktfinder oder auch Anbieter, die Datenbankeinträge via Wikipedia oder Wikitude hochladen. Hier ist die Reichweite groß – und auch die Wahrscheinlichkeit, dass der Nutzer die Applikation auf seinem Smartphone installiert lässt. Denn eine eigene App etwa für Urlaubstipps in der Region Oberbayern lädt sich der User vielleicht während der Ferien aufs Handy – danach jedoch wird die App gleich wieder deinstalliert. Anders als etwa eine Reise-App, die überall funktioniert – und in der das Unternehmen mit allen Vertriebspartnern in allen Regionen vertreten ist.
Nutzung von App-Browsern
Die niederländische Firma Layar strebt mit ihrem sogenannten AR-Browser an, zur universellen Suchmaschine für app-übergreifende Daten zu werden. So weit ist es bislang noch nicht ganz. Denn Layar funktioniert mit “Folien”, die über die gefilmte Wirklichkeit gelegt werden. Unternehmen, die via Layar auf sich aufmerksam machen möchten, müssen extra eine eigene “Folie” programmieren. Sinn macht das etwa für Banken, Immobilienhändler oder Versicherungen, die über eine Vielzahl an Niederlassungen und Standorten verfügen, auf die via Layar hingewiesen wird. Die Chance: eine hohe Reichweite mit einem System, das besonders durch die Nützlichkeit für den Endkunden besticht. Unter anderem ist die ING-Bank eines der Unternehmen, die sich in den Niederlanden bereits für Layar entschieden hat.
Die bislang in den Medien meistbesprochene Layar-App jedoch betrifft den Immobilienmarkt: dank Blick durch die Kamera zeigen sich freie Immobilien rund um den eigenen Standort an.
Welche Unternehmen Augmented Reality für Marketing und Vertrieb einsetzen und wie, zeigt Vertriebspartner-Report.
Augmented Reality für den Vertrieb
Mazda weist den Weg zur Probefahrt beim nächstgelegenen Händler
Mazda lässt Kunden einen QR-Code scannen (mit dem Smartphone zum Beispiel aus einer Print-Werbung), welcher sich direkt mit dem Mazda Layer verbindet, alle Händler im Umkreis anzeigt und den User dorthin navigiert.
Technik: Scan des QR-Codes, Lokalisierung des Users im Verhältnis zum Mazda-Händler, Probefahrt.
Weitere Infos: Mazda: www.mazda.com – Video der Kampagne

Ein kleiner AR-Sticker auf dem alten Reifen genügt, und der Felgen-Simulator zeigt passgenau fürs Auto die neuen Modelle an
ATU für virtuelles Ausprobieren von Felgen
Mit Hilfe der Augmented Reality Technologie von metaio werden virtuelle Felgen passgenau und perspektivisch korrekt über den realen Reifen gelegt - denkbar auch bei Vorfahrt beim nächsten ATU Händler: der AR-Code auf dem Reifen zeigt beim Vorbeifahren an der Kamera beim Händler oder eben bei Betrachten des Reifens durch das eigene Smartphone auf einem Bildschirm an, wie die neue Felge am eigenen Auto aussieht…
Technik: Scan QR-Code auf Reifen, Anzeige auf Smartphone-Display oder Bildschirm beim Händler
Weitere Infos: Metaio - Online-Demo

Unterstützung für den Vertragshändler: den eigenen Werkstatt-Reparateuren will BMW bald Montagehinweise in AR-Brillen einblenden
BMW-Mechaniker arbeiten durch die AR-Brille
BMW unterstützt seine Mechaniker in der Werkstatt zukünftig vielleicht schon mit AR-Brillen, die zeigen, wie Elemente im Motor repariert und ausgetauscht werden. Denkbar wäre eine Smartphone-Erweiterung, mit der der Endkude ähnlich wie bei Paketdiensten den Status seiner Reparatur beim Händler tracken kann.
Technik: Augmented Reality Brillen + Programmierung Software für Montage der Ersatzteile + eventuelle Endkundenerweiterung als App
Weitere Infos zum BMW-Projekt
AR als Gadget
Kelloggs und Nestlé mit mehr als nur Pappschachteln
Die Zeiten könnten vorbei sein, in denen die Packung Cornflakes auf dem Frühstückstisch nur mit Spielen à la “Finde den Unterschied zwischen diesen beiden Bildern” punkteten. Hält der Nachwuchs in Zukunft den AR-Code vor die Kamera seines Telefons, verwandelt sich das Cornflakes-Paket in ein Geschicklichkeitsspiel oder in einen Bildschirm mit Sport-Video-Clips.
Technik: QR-Code auf Produkt + App
Mehr: Video zum Projekt von Dassault-Systems
Kaugummi und Chips steigern den Genuss
Für Chipshersteller und Kaugummiproduzenten gilt Gleiches: auch sie zielen darauf ab, mit AR das Genusserlebnis zu erweitern. Sweet Chili Chips von Doritos setzen auf den Spieltrieb ihrer Käufer und hoffen, dass diese mit der leeren Chipstüte vor der Kamera wedeln – damit sich virtuelle Figuren anzeigen, die sich anschließend auch in Online-Spielen wiederfinden.
Das Wrigleys Kaugummi 5 spielt gekonnt mit dem Prinip der gesteigerten Sinneswahrnehmug durch einen Sound-Mixer: User bewegen AR-Codes vor der Kamera, jede Bewegung erzeugt Geräusche plus Bildeffekte, und der Kunde kreiiert so eigene Songs. Diese AR-App gliedert sich perfekt in die laufende 5-Sinnes-Kampagne ein.
Technik: QR-Code auf Produkt, App + eventuell Online-Community
Mehr: Online-Demo zur Augmented Reality bei Doritos und Wrigley’s
AR als Produkt-Simulator
Vor allem die Automobilindustrie nutzt die Möglichkeiten erweiterter Realität, um für ihre Kunden Automodelle dreidimensional greif- und erlebbar zu machen.
MINI
Den Startschuss gab MINI mit seiner AR-Printkampagne für das MINI Cabrio im Dezember 2008. Sobald man das Anzeigenmotiv in den Fachzeitschriften “Auto BILD” sowie “Werben & Verkaufen”ins Kamerabild einer angeschlossenen Webcam hält, wird ein Softwareplugin installiert, welches das Anzeigenmotiv “erkennen” kann, schon erscheint das neue MINI Cabrio in 3D auf der Zeitschrift.
Technik: Printanzeige + Online-Special
iQ Toyota Modell in 3D – bis in die Kleinteile (2009)
Ähnlich funktioniert der virtuelle iQ von Toyota: Neben der Rundumansicht zeigt sich der Wagen auch in seinen Einzelteilen an. Kleines Plus: der User kan den iQ auch auf einer Straße hin- und herfahren lassen.
Der Auris Hybrid lässt sich ebenso entdecken…
Technik: Webseite Auris / iQ zum Ausdrucken des AR-Codes
Nissan 370 Z, BMW Z4, Smart, Audi, Citroën C3, Ford Ka…
Gleiches Prinzip wie Mini und iQ: für den australischen Markt entwickelt, hat Nissan gleich noch an einen virtuellen Button “Testfahrt buchen” gedacht. Und die Liste lässt sich beliebig fortsetzen mit dem BMW Z4: Reifen hinterlassen Farbspuren, sodass jeder sein eigenes Bild schaffen und mi Freunden via Facebook und Co. teilen kann. Auch AR-Präsentationen auf Messen, zum Beispiel wie Smart und Audi auf dem Genfer Automobilsalon 2010 lassen sich inzwischen nicht mehr wegdenken. Und selbstverständlich sind auch Audi, Citroën und Ford längst im AR-Marketing intensiv tätig.
Technik Nissan und BMW: Ausdruck QR Code + Microsite
Technik Smart und Audi: Messestand, AR-Interaktivsäule.

Ikea Katalog in 3D und Möbel direkt ins heimische Wohnzimmer simulieren: Möglichkeiten der Möbelindustrie sind vielfältig
SHD Click&Design, Ikea Katalog in 3D etc.
Auch Möbelhersteller haben die Möglichkeiten der 3D-Visualisierung entdeckt: Mehr als 1000 verschiedene virtuelle Möbelstücke lassen sich bei Click&Design direkt in die eigene Wohnung stellen. Ein Foto von der Wohnung auf die zugehörige Webseite laden reicht, um die verschiedenen Möbelstücke im persönlichem Umfeld wirken zu lassen. Auch Ikea hat in dieser Hinsicht erste Testläufe hinter sich: hier genügte das Foto auf dem Handy, und Möbelstücke im Einrichtungshaus zeigten sich vor dem heimischen Dekor an.
Technik: Upload Foto + Webcam. Zur Möbel Demo
AR fürs Lebensgefühl
Auf den Communitycharakter von AR setzen die Sportartikelhersteller Adidas und Nike. Die Umwelt der Turnschuhträger ist mit Tags versehen, die durch den Blick durch die Kamera des Smartphones sichtbar werden:
Nike
Die Nike App zeigt die “True Spots” der Städte London, Berlin, Mailand, Amsterdam, Barcelona und Paris den Mitgliedern ihrer Community: die besten Plätze zum Sporttreiben die coolsten Plattenläden, besten Restaurants, Szenebars etc. Die iPhone App erlaubt es den Usern, die Locations anderer zu bewerten und selbst neue Orte einzustellen: Diejenigen, deren Beiträge von den anderen True City-Nutzern als besonders gut bewertet werden, dürfen selbst ein offizieller Nike Insider zu werden.
Der Marketingeffekt: als zusätzlichen Anreiz enthüllt Nike Sportswear True City-Usern weitere „verborgene Highlights“ in Form exklusiver Preview-Informationen zu kommenden Events und Produkteinführungen, die über den BUZZ-Filter der App zugänglich sind.
Technik: iPhone App (kostenloser Download im iTunes App Store) + Social Media Funktionen (Facebook Connect und User generated Content Funktion)
Demo
Adidas
Adidas Neighborhood setzt auf den Spassfaktor und lässt den eigenen Schuh in den Händen des Verbrauchers zur Spielkonsole werden.
Technik: AR-Code auf Schuh, Community-Plattform Microsite. Demo
Apps am Point of Sale
Lego: Montiertes Spiel in 3D auf der Produktverpackung
Lego bietet an einigen Standorten Säulen mit eingebauter Kamera und Monitor, vor die Produktpackungen mit QR-Code gehalten werden können – und das Spiel zeigt sich in 3D montiert an.
Cisco und Ray Ban: Ideen für die Anproben von morgen
Verschiedene Anbieter spielen mit der virtuellen Anprobe von Textilien: eine Kamera erfasst den Kunden und überlappt dieses Bild mit in dessen Statur und Grösse angepassten Modellen. Die Idee ist nicht neu, könnte aber für Händler am Point of Sale in naher Zukunft Wirklichkeit werden.
Gleiches gilt für Onlineshops: hier werden Bilder der Webcam mit den Kleiderdaten abgeglichen. Hervorragend umgesetzt hat dies bereits der Brillenhersteller Ray Ban mit seiner virtuellen Anprobe von Sonnenbrillen: sogar die Augen des Kunden sind durch das virtuelle Modell sichtbar – und auch der Schattenwurf der Brille. Solche Tools sind relativ einfach auch als Smartphone Apps anzubieten, soweit der User gleichzeitig die Kamera auf sich richten und sein Bild auf dem Display anschauen kann. Ansonsten wäre noch eine Art Foto-Version denkbar.
Mehr Infos: Ray Ban Virtual Mirror für PC und Projekt Cisco Retail Fitting Room .
Ob das Postpaket für Omas Geburstagsgeschenk groß genug ist, lässt sich jetzt schon dank Augmented Reality testen: USPS macht es vor, bislang allerdings noch nicht als Smartphone App.
Apps als Service mit echtem Mehrwert
Andere Unternehmen setzen darauf, ihren Kunden einfach praktische Anwendungen anzubieten, die multimarkentauglich sind. So zum Beispiel der Internetversandhandel Amazon:
Amazon Produktfinder-App
Super, die Laptoptasche des Sitznachbarn: was für ein Modell ist das? Einfach diskret fotografieren und ins Netz schicken. Wenige Minuten zeigt das Display an: Produkt gefunden. Der Produktsuchdienst bietet dann Händler an, die die Tasche liefern.
Technik: iPhone App + Upload Produktfoto. Antwortfunktion “Artikel gefunden/nicht gefunden” und Hinweis auf Händler. Demo
GeoTag On Screen App fürs Sightseeing
Cyclopedia ist eine Anwendung, die in Echtzeit weitere Informationen zu Sehenswürdigkeiten und Gebäuden anzeigt: Kurze Erklärtexte direkt ins Kamerabild eingeblendet, ein Klick darauf holt den entsprechenden Wiki-Eintrag hervor. Die App ist auch für Firmen und Marken geeignet die in Wikipedia verzeichnet sind…
Technik: iPhone Geo Tag App + Wikipedia Eintrag
Download App im iTunes Store
Immobilien finden
Layar, der mobile AR Browser aus den Niederlanden revolutioniert die Immobilienwelt: eine Art Mini-Radar zeigt an auf dem Telefon an, welche Wohnungen in den umliegenden Gebäuen gerade frei sind und angeboten werden – Detailanzeige wie Preis, Wohnungsbeschreibung und Kontakttelefonnummer zum sofort anrufen inklusive. Auch eine Mietwohnungssuche, einen Architekturführer und ein Twitter-Modul, mit dem man sich Twitter-User in der Nähe anzeigen lassen kann, enthält die Immobilien-App von Layar.
Ein Markt, der neben Immobilienmaklern besonders für Banken und Versicherungen interessant werden könnte. Erste Kunden, die in den Niederlanden die Layar Technik nutzen und über diesen Weg in der erweiterten Realität auf sich aufmerksam machen, sind die Firmen funda, Hyves, Tempo Team, ING Bank, zekur.nl.
Technik: Layar App + Programmierung virtueller Folien mit Werbung, Daten oder Hinweisen speziell für Layar
Demo
U-Bahn anzeigen – oder auch Geschäfte
Ein Klick auf die U-Bahn-Anwendung ” Nearest Tube” von acrossair blendet auf dem Bildschirm die nächstgelegenen U-Bahn-Haltestellen ein, (bislang für einige Großstädte in unterschiedlichen Ländern). Ähnlich könnte es funktionieren, die nächsten Starbuck’s Cafés, O2-Filialen oder Mietwagen-Standorte anzuzeigen…
Technik: Eigene App (etwa Anzeige aller Franchisenehmer) und/oder Eintrag in Datenbanken konzernübergreifender Apps.
Download und Infos
Die Bandbreite der kreativen Werbungsmöglichkeiten durch die erweiterte Realität in Marketing und Vetrieb ist längst nicht ausgeschöpft. Wie sehen Sie das Thema Augmented Reality – nach zwei Jahren Hype – heute? Ist AR für Ihr Unternehmen Spielerei oder unumgänglich? Und welche Marktchancen geben AR-Apps Ihrem Vertrieb? VP-Report freut sich auf Ihre Kommentare.


















